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Ein Stolperstein für Selig Steinhäuser vor der David-Schuster-Realschule

Veröffentlicht von De Sario (desario) am 08.04.2014
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 Ein Stolperstein für Selig Steinhäuser vor der David-Schuster-Realschule

 

Zum dritten Mal wurde die David-Schuster-Realschule am 18. Juni 2013 Patin für einen „Stolperstein“. Mit Stolpersteinen wird an Personen erinnert, die wegen ihrer Religion oder weil sie „einfach anders“ waren, von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Stein mit dem Namen von Selig Steinhäuser wurde direkt vor dem Schulgebäude in den Gehweg eingelassen – damit alle, die unsere Schule betreten, mit dem Auge über ihn „stolpern“.

Der Verlegung ging eine große Abendveranstaltung in unserer Schule voraus, genau 70 Jahre, nachdem die letzten Juden ihre Heimatstadt Würzburg verlassen mussten und von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz (Polen) getötet wurden.

„Als wir Schülerinnen und Schüler erfahren haben, dass vor unserer Schule ein Stolperstein verlegt wird, haben wir uns gefragt: Warum ausgerechnet vor der David-Schuster-Realschule?“, stellte Patrick Krüger aus der 9b, der zusammen mit Tobias Wilbald professionell und souverän durch den Abend führte, die Eingangsfrage. Im Religionsunterricht bei Fr. Wagner haben sich vor allem die 9. Klassen mit diesem Thema beschäftigt und konnten am Abend ihre Ergebnisse vor einem großen Publikum präsentieren.

Über 200 Gäste waren gekommen, darunter der Sohn unseres Namensgebers, Dr. Josef Schuster, der Oberbürgermeister, Bischof, Dekanin, Ministerialbeauftragte, andere Schulleiter sowie viele Eltern. In ihrem Hauptvortrag zum Thema „Das Ende der Juden in Unterfranken. 17.6.1943“ beschrieb Frau Dr. Ries das Schicksal einzelner jüdischer Familien aus Würzburg und erklärte „von insgesamt 2065 Deportierten aus Würzburg haben nur 60 überlebt“.

Einen Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag von Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen. Überzeugend präsentierten Michelle Kern, Josefine Schmachtenberger, Elisabeth Jazynischin und Fabian Albert mit Wort und Bild (präsentiert von Anna Dirksen) die Geschichte unseres Schulgebäudes sowie von Selig Steinhäuser: Das Gebäude in der Sandbergerstraße 1 war als Israelitische Lehrerbildungsanstalt („ILBA“) für die Ausbildung jüdischer Lehrerinnen und Lehrer sowie später für Schülerinnen und Schüler gebaut worden und war weit über Würzburg hinaus bekannt. Musik, Sport sowie Englisch bildeten wichtige Unterrichtsfächer. Ihr guter Ruf und mit ihm der „Spirit of Wuerzburg“ breitete sich bis in die USA aus.

Doch die Nationalsozialisten wollten das jüdische Leben in Deutschland zerstören: Sie verwüsteten die Einrichtung der Schule und verbrannten im Schulhof Bücher und Thorarollen, Lehrer und Schüler wurden ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Unter ihnen war Selig Steinhäuser. Er war der stellvertretende Schulleiter der ILBA und hatte die Studenten und Schüler immer gefördert und gestützt, darunter auch David Schuster. Nach seiner vorläufigen Freilassung musste Selig Steinhäuser die ILBA schließen. Am 17. Juni 1943 wurde er zusammen mit seiner Frau in das Konzentrationslager Auschwitz (Polen) transportiert und wahrscheinlich direkt nach seiner Ankunft getötet. Kein Grabstein erinnert an ihn, an seine Frau und an die über eine Million unschuldiger Menschen, vor allem Juden, die mit ihm in Auschwitz grausam ermordet wurden. Damit sein Name, seine Person und die Geschichte unserer Schule nicht vergessen werden, gibt es nun den Stolperstein vor unserer Schule.

     

Umrahmt wurde der Abend stimmungsvoll und gekonnt durch die Bigband der DSR unter der Leitung von Herrn Wallny sowie durch das Geigenteam von Frau Bulatova. Viele Schülerinnen und Schüler bildeten ein professionelles und freundliches „Serviceteam“, empfingen die Gäste bereits am Parkplatz, boten Gebäck und Getränke an und erklärten die Ausstellung, die sie für die Veranstaltung angefertigt hatten. Von vielen Seiten erhielten sie großes Lob erhielten für diesen Abend.

 

A. Wagner

 

Zuletzt geändert am: 08.04.2014 um 19:50

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